Arendsee, Tauchgang am Westufer

Ein dreiviertel Jahr ist es jetzt her, dass ich im Arendsee abgetaucht bin. Ich erinnere mich an schlechte Sicht von einem knappen Meter. Es war an der Zeit zu testen, ob sich an diesen Verhältnissen schon etwas geändert hat. Diesmal bin ich zum Westufer nach Schrampe gefahren. Der Wasserstand ist immer noch sehr niedrig. Ärgerlich für den Seglerverein, der hier seine Bootsteganlage noch zu normalen Wasserständen errichtet hat. An den Pfosten der Stege ist zu sehen, dass fast 1 m Wasser fehlt.

Arendsee
Niedriger Wasserstand im Arendsee. Landpflanzen erobern die Uferzone.

Fertig zum Tauchen

Nach kurzer Zeit, hatte ich meinen Trocki an und alles gecheckt. Vom Ufer sah das Wasser klar aus, aber nach ein paar Meter gehen, erkannte ich die Eintrübung. Egal, mal sehen ob es tiefer besser wird.
Nach dem Abtauchen dauerte es nur einige Minuten und ich kehrte zur Wasseroberfläche zurück. Ich dachte die Maske sei beschlagen und mein neu gekauftes Antibeschlagspray taugt nichts. Ich spuckte nochmal in die Maske, verrieben, gespült … auf ein Neues. Aber nein, es lag nicht an der Maske, die Sicht war so schlecht. Ich tauchte trotzdem weiter hinaus und es ging immer tiefer.

Schlagartig bessere Sicht

ab 16 m Tiefe wurde es klar, ich freute mich. Ein paar Meter tiefer begann der schräg abfallende Grund, bedeckt mit einer weißen Faulschicht. Die weißen Bakterien reflektieren das Licht und es wird dadurch schön hell. Der Grund wirkt wie eine Tod-Zone. Bei 30 m Tiefe machte ich einen Schlenker nach links, Richtung Nord. Nach einigen Minuten tauchte ich in 25 m Tiefe parallel zurück. Zu sehen waren nur hier und da ein kleiner Barsch. Trotzdem war es schön schwerelos durchs klare Wasser zu gleiten. Hier unten war es stock dunkel. Das Tageslicht wurde vollständig von den Schwebeteilchen über mir absorbiert.

Beim Austauchen

über dem kaskadenartig aufsteigenden Grund, entdeckte ich noch einen kleinen ruhenden Schlei. Ich vermied es, den Fisch zu blenden, genoss einen Augenblick und tauchte vorsichtig über ihn hinweg. Im Flachwasser habe ich noch einige Übungen durchgeführt. Zufrieden über den Tauchgang kehrte ich nach 45 min wieder an die Wasseroberfläche zurück. Ich tauchte nach der Drittelregel für den Gasvorrat. Auf Grund der Tiefe, verkürzte das meine Tauchzeit.

Unsere Tümpeltour in Sachen-Anhalt

Plattform
Ein gutes Versteck für Fische unter der Plattform im Großen Goitzschesee

Wir wollten etwas anderes ausprobieren und neue Gewässer erkunden. Deswegen sind wir Mitte August in den Süden von Sachsen-Anhalt gefahren, genauer gesagt in die Region Bitterfeld-Wolfen. Dort entstand das größte künstliche Gewässer Deutschlands – der Große Goitzschesee. Der See ging aus vier ehemaligen Braunkohletagebauen hervor. Die Uferzonen wurden vor der Flutung saniert, dadurch fällt der Grund sehr langläufig und gleichmäßig ab. Die Flutung sollte langsam über ein Einlaufbauwerk erfolgen. Doch mit dem Hochwasser 2002 kam alles anders und die Gruben wurden in kürzester Zeit komplett geflutet. Heute sind in dem See Unterwasserwälder, ehemalige Eisenbahntunnel, die üblichen Wasserpflanzen und Fische der Binnenseen zu finden. Die attraktivsten Tauchplätze sind jedoch nur mit dem Boot zu erreichen. Das Tauchen in der Goitzsche ist nur nach vorheriger Anmeldung bei der Tauchbasis in Mühlbeck möglich. Dort befindet sich auch der einzige genehmigte Einstieg von Land, den auch wir genutzt haben. In über 20 m Tiefe wurde die Sicht etwas besser, reichte aber für unser eigentliches Vorhaben, das Revier mit dem Scooter zu erkunden, nicht aus. Deswegen haben wir uns auf die Suche nach den großen Welsen gemacht und viel Zeit im Flachwasser verbracht, jedoch keine gesehen.

Taucher Förstergrube
In der Förstergrube beim Tauchclub Delitzsch

Das alles hatte uns nicht überzeugt. Deswegen sind wir am nächsten Tag zur Förstergrube Sandersdorf gefahren. Dieser See ist auch ein ehemaliger Braunkohletagebau. Der Tauchclub Delitzsch hat hier sein Gelände und ermöglicht anderen Tauchern, als Gast zu tauchen und fast alles vom Tauchclub zu nutzen. Der See hat einen schönen Bewuchs. Wir haben Karpfen, Schleie, Barsche, Plötze und Hechte gesehen. Interessant ist der Uferbereich bis in eine Tiefe von ca. 4 m. Wir haben zwei gemütliche Tauchgänge gemacht. Für diese Art des Tauchens waren wir mit unseren Trockis allerdings total overdressed und es war viel zu warm.

Hecht
Fotoshooting mit Hecht in der Förstergrube

Die Tatsache, dass wir von den vier Tauchgängen, dreimal nur im Flachwasser waren, hat Jürgen zum Begriff Tümpeltour gebracht.
Wir haben zwar zwei neue Gewässer kennengelernt, aber unsere Vorstellung vom Tauchen dort waren komplett andere, als das Erlebte.
Eine preiswerte gute Unterkunft hatten wir in der Pension Keller in Löbnitz, ganz in der Nähe der Goitzsche.

Der Arendsee

Queen Arendsee
Fahrgastschiff Queen Arendsee

Der Arendsee ist für Taucher aus der Prignitz schnell zu erreichen und deswegen auch häufig von uns besucht. Tieftauchen, Wracktauchen oder Tauchen an einer versunkenen Straße, terrassenförmigen Hängen, Steilwänden, versenkten Gegenständen und stillgelegten Rohrsystemen, machen das Gewässer für die unterschiedlichsten Unterwasservorhaben sehr interessant. Am Arendsee kannst du auch Überwasser alles erleben. Herrlicher Sonnenschein und spiegelglattes Wasser bilden hier ein fantastisches Panorama. Aber es wehen auch frische, eiskalte Briesen, die erstaunliche Wellen erzeugen. Das gleiche trifft auch für die Sichtweiten Unterwasser zu. Von Scheinwerfern die 8 m weit strahlen bis zu „Ich kann meinen Computer nicht mehr ablesen“ haben wir schon alles erlebt, sogar während nur eines Tauchgangs.

Tauchregeln

Seit Mai 2008 gelten für Taucher am Arendsee neue Regeln. Im Amtsblatt Nr. 5 vom 21.05.2008 wurde die „Neufassung der Verordnung des Altmarkkreises Salzwedel zur Regelung des Gemeingebrauchs am Arendsee“ (ArendseeVO) bekannt gemacht. Unter anderem wurden die Einstiegmöglichkeiten für Taucher von Land darin festgelegt. Demnach gibt es nur noch drei Einstiegstellen für Gerätetaucher.

Einstiege für Gerätetaucher von Land

  • Schrampe, (100 m neben dem Schramper Eck) Richtung „Lehmkuhlen“ (Einstieg Westufer)
  • Arendsee, Klosterkirche / Kaskade
  • Arendsee, Tauchclub

Bei Nichteinhaltung drohen hohe Strafen. Es ist also absolut empfehlenswert, sich an diese Regeln zu halten. Die Uferzonen sind Landschaftsschutzgebiet. Neben den Sporttauchern erfreuen sich noch viele andere Wassersportfreunde, zum Beispiel Segler, Surfer, Badegäste und Angler am Arendsee. Sport und Erholung sollen für alle am Arendsee möglich sein, jedoch unter Einhaltung des Natur- und Landschaftsschutzes. So haben wir hoffentlich lange etwas von diesem Erholungsgebiet. In wie weit die Einstiege von Land für uns Taucher praktikabel sind, könnt ihr in den jeweiligen Tauchplatzbeschreibungen lesen.