Sommertour zum Kreidesee Hemmoor

Im Juli sind wir wieder im Kreidesee abgetaucht. Nach den starken Einschränkungen der letzten Monate hat es viele Tauchsportler raus in die Natur an den Kreidesee gezogen. Am Samstag war sehr viel los. Vor Einstieg 1 und auf der Wiese gab es keine Parkplätze mehr.

Kreidesee Hemmoor
Nicht HOLLYWOOD, aber dafür HEMMOOR, am Kreidesee 😉

Auch am Einstieg 2 tummelten sich teilweise größere Gruppen und laufend fuhren Autos vorbei zu den dahinter liegenden Einstiegen. Das Wetter meinte es gut mit uns, nur zwei kleine Schauer am Samstag, sonst Sonne und Wolken. Angenehme 20 °C ließen uns in den Trockis nicht schwitzen.

Bis zum Ende des Kreidesees

Steilhang im Kreidesee
Alte Betonmauer in 48 m Tiefe im Kreidesee Nähe Einstieg 5

Am Samstag sind wir mit den Scootern von Einstieg 2 die Straße des ehemaligen Tagebaus hinunter zur Meisterbude unterhalb des Rüttlers getaucht. Die Sicht war an der Stelle durch Sedimente eingetrübt. Das Gitter mit dem Maschendraht wurde entfernt, sodass die Gänge jetzt nur mit Zaunelementen aus stabilem Kastenprofil verschlossen sind. Wir hielten uns nicht lange auf und tauchten weiter zu den Holztreppen.

Etwas flacher fuhren wir am Steilhang, vorbei an den Versorgungsleitungen, bis zur tiefen Steilwand. Ein paar Meter Richtung Seemitte lag unser erstes Ziel, der Wohnwagen in 54 m Tiefe. Wir tauchten nicht ab, nahmen nur ein paar Blicke und setzten unsere Fahrt fort, bis die tiefe Steilwand am Ende des Kreidesees einen Bogen machte. Die Sichtweite betrug hier mehr als 20 m und wir konnten die typischen Tagebauformationen gut erkennen, ein klasse Anblick… Unser Rückweg führte uns über den terrassenartigen Grund hinauf bis in flacheres Wasser, wo wir auf dem Rückweg unsere Deko durchführen konnten.

Samstagnachmittag tauchten wir zur Betonbombe in 45 m Tiefe und von dort zu den Holztreppen unterhalb des Rüttlers. Wir umkreisten das Rüttlergebäude hinauf zur Brücke. Danach führte unser Kurs bis Einstieg 0 und wieder zurück zu unserem Einstieg 2.

Der Unterwasserwald bei Einstieg 5

Scootern im UW-Wald
Vorbei an alten Gehölzen im Kreidesee Hemmoor

Sonntagfrüh war der Unterwasserwald bei E5 unser Ziel. Ich wollte ein paar Videoaufnahmen von diesen imposanten Bäumen und Sträuchern machen. Der Wald befindet sich am Steilhang zwischen 45 m und dem Grund in 52 m Tiefe. Wir erreichten die Stelle nach 15 min Fahrzeit und tauchten zum Grund. Die schwarzen Bäume heben sich gut vom hellen Hintergrund des Hangs ab. Darunter eine 3 m hohe Wand bis zum Grund. Bei dem klaren Wasser ein fantastischer Anblick.

Wir ließen uns von unseren DPV’s an den skurrilen Überbleibseln des Tagebaus vorbeiziehen. Zu schnell war die Zeit um und wir mussten wieder auftauchen um unsere Deko zu beginnen. Gaswechsel bei 21 m und es ging zurück zum Einstieg 2. Doch vorher haben wir noch den Rüttler „überflogen“ und aus der Vogelperspektive betrachtet.

Unterwasserwald Kreidesee
Unterwasserwald am Steilhang Nähe Einstieg 5

Unterwasserwald Kreidesee
Mystisch wirk der sogenannte „Männer-Wald“ am Steilhang Nähe Einstieg 5 in 45 m bis 52 m Tiefe

Tiefe Treppen am Rüttler

Am Nachmittag wollten wir „zu Fuß“ tauchen. Wir hatten einen entspannten Tauchgang geplant, nur das D12 auf dem Rücken, keine Stages, kein Scooter. Von Einstieg 2 sind wir in 25 m Tiefe an der Betonbombe vorbei, langsam am Steilhang hinab bis in 40 m Tiefe geglitten. In wenigen Minuten erreichten wir die Holztreppen, die einst vom Rüttler hinab in die Grube führten. Der obere Teil endet in 45 m Tiefe. Darunter lag die andere Treppe, bis zum Grund, fast zum Greifen nah. Wir ließen uns weitere 5 m absacken und riskierten einen kurzen Blick an der unteren Treppe bevor wir wieder langsam zum Rüttler aufstiegen.

Zur Meisterbude, durch die Schütte zum Lkw und dann noch ein Stück weiter zur Brückenkonstruktion der Versorgungsleitungen Richtung Einstieg 4. Ab und an sahen wir ein paar Forellen. Danach führte uns der Weg durch den UW-Wald bei Einstieg 3 zurück bis zu den Plattformen an der Straße. Nach knapp 80 min haben wir völlig entspannt mit einem breiten Grinsen im Gesicht das Wasser verlassen. Ein schöner Abschlusstauchgang an diesem Wochenende…

Unterwasserwald Kreidesee
Der Unterwasserwald am Steilhang Nähe Einstieg 5 in 45 m bis 52 m Tiefe

Die Lastensegler im Werbellinsee


Im Januar sind wir wieder zu den Kaffenkähnen im Werbellinsee getaucht. Das Wasser war beim ersten Tauchgang am Dornbusch-Wrack glasklar. Einen Tag später, als ich gefilmt habe, schwebte Sediment im Wasser, was durch das Videolicht noch verstärkt wurde. Trotzdem habe ich ein paar Szenen mit ins Video aufgenommen, denn so viele Barsche hatte ich noch nie gesehen.
Außer dem großen Wrack am Dornbusch, haben wir fünf weitere Wracks, in der Nähe vom so genannten Kap Horn betaucht.

Weiteres könnt ihr in meinem Bericht zu diesen Tauchgängen lesen.

Die alten Kaffenkähne im Werbellinsee

In den Wintermonaten fahren wir seit ein paar Jahren regelmäßig einmal zum Werbellinsee. Nach dem Bodensee hat er die meisten Wracks. Jürgen und ich haben bei unserer Tour Ende Januar wieder sechs Kähne betaucht.
An unseren beiden Tauchtagen führte uns jeweils der erste Tauchgang zum Wrack des Kaffenkahns am Dornbusch. Den zweiten Tauchgang haben wir jeweils am so genannten Kap Horn gemacht.

Dornbusch-Wrack

Kaffenkahn am Dornbusch
Das Kajütdach liegt noch auf dem Kaffenkahn am Dornbusch in etwa 32 m Tiefe.

Am Tauchplatz angekommen, stieg unsere Vorfreude beim Blick ins Wasser. Der helle Grund ließ das Wasser klar erscheinen. Um 9.30 Uhr waren nur wenige Autos auf dem Parkplatz. Während wir uns aufrödelten kamen weitere Taucher an. Uns war klar, wir würden heute nicht die ersten am Wrack sein. Es blieb uns nur zu hoffen, dass die Sicht gut bleibt. Wie gewohnt tauchten wir leicht schräg mit ca. 90° ab. Am Wrack in 27 m Tiefe angekommen, war die Sicht mit mehr als 10 m immer noch super. Ich wollte meine Videokamera starten, aber das Gerät reagierte nicht mehr. Nach ein paar Versuchen gab ich auf und wollte nur noch einen schönen Tauchgang haben.

Wir folgten dem Wrack bis zum Ruderblatt in 35 m Tiefe und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Das gesamte Wrack und der Grund daneben waren mit tausenden Barschen belegt, die ihre Ruhe suchten. Neben dem Wrack hielt sich außerdem ein riesiger Schwarm mit tausenden Jungfischen auf. Es war ein herrlicher Anblick, die vielen Fische und dann noch das schöne Wrack – fantastisch.

Am zweiten Tag funktionierte zwar meine Kamera wieder, aber die Sicht war nicht mehr so klar, wie am Tag zuvor.

Die Wracks vor Kap Horn

Kajütwrack
Der schöne Bug des Kajütwracks. Das einzige Wrack mit vorhandenem Festmacher an der Bugspitze.

Zum Erreichen dieser Kaffenkähne haben wir unsere Scooter benutzt. Vom Einstieg zum 1. Wrack in 14 m Tiefe sind wir knappe sieben Minuten mit halber Geschwindigkeit gefahren. Von dort haben wir Kurs zu den beiden Wracks in 24 m Tiefe genommen. Wie geplant kamen wir genau zwischen den beiden Kähnen nach ca. 1,5 min an. Die Wracks liegen mit dem Bug zueinander in einem Abstand von vielleicht 5 m.

Kaffenkahn
Die auseinander klaffende Kaffe eines der beieinander liegenden Wracks vor Kap Horn.

Wir wollten jedoch gleich weiter zum Kajütwrack und änderten unseren Kurs leicht. Diese Fahrt dauerte ungefähr 2 min und wir kamen genau zwischen Maststuhl und Kajüte an, also etwa mittschiffs, Volltreffer. Wir schwammen zum Heck und ich begann mit einigen Video-Aufnahmen.

Kajütwrack
Schwer zu erreichen, das Kajütwrack im Werbellinsee vor Kap Horn.

Der Kaffenkahn ist tief im Schlamm eingesackt. Das so typisch rotbraun schimmernde Holz war teilweise stark mit Muscheln bewachsen. Langsam bewegten wir uns vor zum Bug. Ein sehr schönes Wrack und das einzige mit erhaltener Kajüte. Leider scheint sie teilweise zu zerfallen. Die Bretter auf der Rückseite fehlen schon in großen Teilen. Taucher sollten das Wrack auf keinen Fall berühren, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist.

Kajütwrack
Die Kajüte des Kaffenkahn in 27 m Tiefe.

Auf dem Rückweg haben wir noch die anderen drei Wracks betaucht und in Augenschein genommen. Etwas Zeit hatten wir noch und wir sind vom Wrack in 14 m Tiefe weiter in die Bucht gefahren, zum fünften Wrack in 12 m Tiefe. Auch hier war die Sicht schön klar und wir konnten das Wrack vom Bug bis hinter dem Maststuhl besichtigen. Von dem Kahn ist nur noch diese Hälfte des Wracks vorhanden. Nach ungefähr 55 min haben wir die beiden Tauchgänge am Kap Horn beendet.

Kaffenkahn
Der Bug des Kaffenkahns in der Bucht bei Kap Horn im Werbellinsee. Eine Planke hat sich gelöst.

Die Kaffenkähne sind Bodendenkmäler

Dem entsprechend ist es selbstverständlich, sich auch so an den Wracks zu verhalten. Wir sind immer wieder fasziniert von den Kähnen. Sie liegen mehr als hundert Jahre auf dem Grund des Werbellinsee. Ich hoffe, die Reste bleiben noch lange erhalten.

An jedem Wrack hängen auch menschliche Schicksale. Auch wenn die Mannschaft überlebte, war der Skipper wahrscheinlich finanziell ruiniert. Laut Berichten sind die Kähne oft durch plötzlich aufziehende Unwetter untergegangen. Voll beladen und vielleicht auch überladen, schwammen die Lastenkähne tief im Wasser, es war nicht viel Luft zur Bordkante. Wellen hatten ein Leichtes, so einen Kahn zu fluten.

Kaffenkahn Maststuhl
Am Maststuhl des Wracks in der Bucht bei Kap Horn in 12 m Tiefe.