Tief unten im Kreidesee Hemmoor

Im November, wo der Kreidesee nur noch 10 °C an der Oberfläche hat, ist am See nicht mehr ganz so viel los. Die Nasstaucher vom Sommer sind kaum noch zu sehen. Dafür können die wenigen Trockentaucher die Ruhe am Gewässer genießen. Diesmal wollten wir unser Vorhaben, der Piper auf dem Grund des Sees und dem Männerwald beim Einstieg 5 einen Besuch abzustatten, umsetzen.

Scootertour zu den Rüttlertreppen

Treppen Rüttler Kreidesee
An den Treppen unterhalb des Rüttlers im Kreidesee (Archivfoto)

Unser erster Tauchgang führte uns von Einstieg 2 zum Rüttler und den Treppen unterhalb. Die Sicht in 45 m Tiefe war ausgezeichnet. Wir schwebten acht Meter überm Grund und konnten die tiefer gelegenen Treppen direkt unter uns sehen, scheinbar zum Anfassen nahe. Der Blick zu den anderen Treppen bei 45 m Tiefe, mit dem Steilhang dahinter, war hervorragend. Wir genossen dieses Bild eine Weile und fuhren dann mit unseren Scootern weiter Richtung Versorgungsleitungen. Ein Stück weiter bis zum 25 m Plateau, hinter Einstieg 4b, hat es uns dann doch noch gezogen. Auf dem Rückweg sind wir wieder an der Brücke vom Rüttler vorbei bis Einstieg 1 gefahren, wo wir auf den letzten Metern unseren Dekostopp absolvierten.

Den zweiten Abstieg

machten wir zum Betonsilo in 42 m Tiefe unterhalb der Steilwand am Einstieg 1. Die Rührwerkstütze in 25 m Tiefe, mit dem Flugzeug darüber, war unser nächstes Ziel. Den Rückweg sind wir an der Steilwand entlang zurück zu Einstieg 1 getaucht. Diesmal nutzten wir die neuen Treppen vom Anrödelplatz zum See, die direkt am Einstieg enden. Die Anzahl der Trittstufen ist der von Einstieg 2 fast gleich, sie wirkt nur höher.

Ab zum Männerwald

Unterwasserwald
Unterwasser „Männer-Wald“ im Kreidesee bei Einstieg 5 (Archivfoto)

Sonntag war es endlich soweit. Unsere Geräte waren nun mit Trimix gefüllt, die Scooter wieder geladen. Wir sind am Einstieg 2 den Hang ziemlich gerade bis zum Grund getaucht. Von dort fuhren wir mit 90 ° durch den See. Wir hatten die Hoffnung, auf unserem Weg zur anderen Seeseite noch das Wrack der Mahusan zu sehen. Immer wieder sahen wir dunkle Bereiche, die sich dann doch nur als Dunkelheit im Wasser herausstellten. Plötzlich rechts von uns, sahen wir die schräg verlaufenden Umrisse des Bugs der Mahusan. Kleiner Kurswechsel, ein paar Sekunden später waren wir am Wrack. Die Sicht war fantastisch. Das Wasser schien glasklar.
Wrack Mahusan
Das Wrack der Mahusan ruht auf dem Grund des Kreidesees (Archivfoto)

Nach ein paar Augenblicken setzten wir unseren Kurs fort. Mit 15 min Tauchzeit erreichten wir den Steilhang auf der anderen Seite. Dort angekommen, fuhren wir Richtung Süden. Doch es waren keine Bäume in Sicht. Dafür konnten wir die charakteristischen Steilhänge eines Tagebaus in weiten Zügen sehen. Die Sicht betrug geschätzt 30 m, vielleicht auch mehr. Wir korrigierten unseren Kurs und fuhren in die andere Richtung. Nach einigen Minuten erreichten wir den gut erhaltenen Unterwasserwald. An den Ästen haften Muscheln, sie wirken als hätten die Bäume Knospen. Trotz des bedeckten Himmel war es relativ hell, was sicherlich an den hellen Hängen lag. Nach 70 min Tauchzeit stiegen wir wieder aus dem Wasser und waren zufrieden über diesen gelungenen Tauchgang.

Die Piper von Alan Shepard

Wir hatten noch genug Trimix und Dekogas für einen kurzen Besuch beim Wrack der Piper in 53 m Tiefe. Das Wrack liegt unweit vom Hang auf dem Grund direkt vor Einstieg 2. Wir sind wieder gerade den Hang heruntergetaucht. Das Wrack fanden wir etwas links von uns. Auch hier war die Sicht super. Durch die gelbe Farbe des Flugzeugs wirkt es in dieser Tiefe mit dem diffusen Licht besonders gut. Die Oberfläche ist nur leicht mit Muscheln bewachsen. Wir verweilten einige Minuten und umrundeten dabei das Flugzeug. Unser Rückweg führte uns zum Betonsilo in 42 m Tiefe und empor zur Steilwand zurück zum Einstieg 2.

In der Tiefe sind es nur 5 °C, dafür wurden wir wieder mit grandiosen Sichtweiten belohnt.

Tauchen vor der Insel Fehmarn

Fehmarn bietet eine ganze Reihe von Tauchplätzen direkt vom Strand aus. Große Tiefen erreicht man hier nicht. Um 6 m Tiefe zu erreichen, muss man schon ein gutes Stück raustauchen, ausgenommen ist der Fehmarnsund. Dafür sind die Tauchgänge sehr entspannt und mit etwas Glück bekommt man die typische Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee zu sehen.

Mergelformationen und Jungfischschwarm in der Ostsee bei Westermarkelsdorf Fehmarn

Unsere Tauchplätze

Scholle in der Ostsee bei Katharinenhof Fehmarn

Je nach Windrichtung haben wir uns den optimalen Tauchplatz ausgesucht. Bei Ostwind tauchten wir in Westermarkelsdorf. Kurz nach dem Abtauchen erreichten wir die Mergelformationen, in deren Löchern sich die kleinen Ostseegarnelen versteckten. Ein Stück weiter befindet sich der große, aus dem Wasser ragende, Poller. Unterwasser ist er mit Felsen umsäumt und üppig bewachsen. Die Sichtweiten waren echt klasse. Weiter draußen hatten wir bis 15 m Sicht.

Grundeln trifft man häufiger in der Ostsee vor Fehmarn an

Meist kam der Wind aus West oder Nordwest und wir haben das Ostufer für unsere Tauchgänge genutzt. Wir sind an der Slip-Anlage beim Campingplatz Katharinenhof, am Fischerweg Katharinenhof und in Staberhuk ins Wasser gestiegen.

Das gab es zu sehen

Seltener zu sehen, ein Steinbutt in der Ostsee vor Katharinenhof

Ab und an sahen wir ein paar größere Fische wie, einige Schollen, zwei Aale und ein Steinbutt. Kleine Meeresbewohner gibt es da schon mehr. Flundern, Seezungen, Klippenbarsche, Aalmuttern, Ostseegarnelen, Sandgarnelen, Schwebegarnelen, Seenadeln, verschiedene Grundeln, Krappen, wenige kleine Seesterne und ein paar Quallen konnten wir beobachten.

Kleine Seenadel in der Ostsee vor Fehmarn

Bei unserem Nachttauchgang haben wir nicht mehr als bei den Tauchgängen am Tage sehen können, was eher ungewöhnlich ist. Ein großer Aal war dennoch dabei und spannend war es trotzdem.

Unsere Füllstation

Unsere Flaschen haben wir in der Tauchbasis Katharinenhof, füllen lassen. Das Befüllen ging recht schnell und die Verwendung eines eigenen Personalfilters war auch kein Problem.
Der Weg zur Tauchbasis am Südstrand, war uns dann doch zu aufwendig, obwohl die Basis aus unserer Sicht einen moderneren und professionelleren Eindruck macht. Außerdem gibt es noch die Tauchbasis von Atlantis, auf dem Campingplatz Wulfener Hals.

Tauchen in Südnorwegen

Flekkefjord Boje Wrack Gudrun

Wrack Dornier Do 24
Das Wrack der Dornier Do 24 in 32 m Tiefe

Im Mai sind wir zum Tauchen nach Norwegen gefahren. Unsere Tour führte uns mit dem Auto bis Dänemarks Norden, nach Hirtshals. Von dort sind wir mit der Color Line Fähre nach Kristiansand in Südnorwegen gefahren. Vom Fährhafen waren es nur noch wenige Kilometer zum Aaros Feriencenter in Sögne, wo wir unseren Bungalow für eine Woche gebucht hatten.

Die Tauchbasis

Als Tauchbasis hatten wir OneOcean ausgewählt. Das gleichnamige Tauchschiff bietet Platz für acht bis zehn Taucher. Ausgestattet ist das Schiff mit einem Taucherlift, was den Ausstieg besonders für technische Taucher erleichtert. Eine Füllanlage mit Speicherflaschen ist ebenfalls an Bord. Die nautische Ausstattung auf dem Schiff lässt keine Wünsche offen. Carlo, ist nicht nur Tauchlehrer und Skipper, sondern auch Italiener. Seine täglichen Nudelgerichte mit den selbst gemachten Soßen oder gegrillten Jakobsmuscheln, die wir vorher gesammelt hatten, waren klasse. Carlo hat immer auf eine bekömmliche Mahlzeit geachtet.

Wir wollten vorwiegend Wracktauchgänge machen. Leider hatten wir oft Südwind, dadurch war das Tauchen an vielen Wracks nicht möglich. Nur einmal hatten wir die Gelegenheit an dem Wrack des Frachters Seattle zu tauchen. Alle anderen Tauchgänge vom Tauchschiff machten wir im Schutz der Schären. Ein paar Wracktauchgänge von Land konnten wir dennoch unternehmen.

Die Dornier Do 24

Motor Do 24
Einer der Motoren der Dornier Do 24 bei Kristiansand

Unseren ersten, sehr schönen Tauchgang hatten wir am Flugzeugwrack der Dornier Do 24. Das Wrack liegt in der Nähe eines Flugplatzes in Kristiansand. Vom Betonsteg aus erreicht man die Boje zum Abtauchen nach einer Schwimmstrecke von ca. 100 m.
Die Do 24 ist nur noch als Gerippe erhalten. Die Überreste liegen auf drei Stellen verteilt in 31 m Tiefe und sind gut als Rumpf, Motor und Tragfläche erkennbar. Im Rumpf konnten wir die Gestelle der Sitze und den Durchgang zur Pilotenkabine ausmachen. Am Motor sahen wir die Kühlrippen der kreisförmig angeordneten Zylinder und die Propellerwelle.

Die town wrecks

Den zweiten Wracktauchgang unternahmen wir an den so genannten town wrecks. Der Einstieg ist in der Nähe des Stadions in Kristiansand. Die Wracks liegen direkt neben dem Ufer in einer Tiefe von 5 m bis ca. 20 m. Der Schlepper liegt hochkant am Ufersteilhang. Der Frachter liegt auf die Seite gekippt direkt dahinter. In den Laderaum des Frachters konnten wir hinein tauchen. Außerdem gibt es einige Rohrleitungen in der Nähe der Wracks zu sehen.

Das Wrack der Gudrun

Ruderrad Wrack Gudrun
Das Ruderrad der Gudrun im Flekkefjord

Zwei weitere Wracktauchgänge von Land haben wir am letzten Tauchtag durchgeführt. Dazu sind wir 90 km nördlich nach Abelnes an den Flekkefjord gefahren. In 45 m Tiefe liegt das Wrack des deutschen Fracht- und Passagierschiffs Gudrun. Der Einstieg, eine alte Slip-Anlage, befindet sich neben der Fähranlegestelle. Die bewachsenen, runden, glitschigen Felssteine im Wasser ließen keinen sicheren Schritt zu, schon gar nicht mit der schweren Ausrüstung. Die Schwimmstecke zur Wrackboje dauerte ca. 10 min. Das Wrack steht aufrecht. Ruderblatt, Schiffsschraube und Steuerrad sind vorhanden. Insgesamt ist das Wrack gut erhalten, wirkt riesig, war sehr schön bewachsen und es gab sehr viel zu entdecken. Wir konnten durch die offenen Laderäume tauchen. In den Kajüten am Heck war das Wasser glasklar. Leider lag auch etwas Unrat an Deck, was nicht direkt dem Wrack zuzuordnen war. Zwei Tauchgänge einzuplanen war die richtige Entscheidung. Wir sind beide Male am Grund entlang Richtung Land ausgetaucht.
Schiffsschraube Wrack Gudrun
Die Schiffsschraube und das quer gestellte Ruder vom Wrack Gudrun im Flekkefjord.

Unsere Tauchgänge in den Schären

Fisch
In den Felsspalten verstecken sich Fische.

Die vier Tauchtage zwischen unseren Landtauchgängen sind wir von Bord der OneOcean getaucht. Bis auf einen Tag an dem Romald, ein weiterer Tauchgast aus den Niederlanden, mit uns tauchte, sind nur Jürgen und ich als Taucher an Bord gewesen. Das war für uns natürlich super, viel Platz und keine Hektik. Bis auf den Wracktauchgang an der Seattle, waren alle anderen Tauchgänge sogenannte „wall dives“. Wie der Name schon sagt, hatten wir immer eine mehr oder weniger steil abfallende Felswand, die in der Tiefe im hellen Grund scheinbar endete. Je tiefer wir tauchten desto besser wurde die Sicht. Da wir das mögen, war immer Tiefe angesagt. Unterhalb von 30 m fanden wir die Jakobsmuscheln. Die Felswände hatten natürlich auch ihren Reiz. Zwischen den Felsspalten haben wir so einige Meeresbewohner entdeckt. Seespinnen, Garnelen, Barsche und schlafende Dorsche. Auf dem Grund, im Schutz der Felsen, lagen Flundern und Schollen. Große weiße Seeigel und Seesterne spickten den Grund oder hafteten an den Steilwänden. Jede Menge Weichtiere, wie Seenelken, Seescheiden, Tote Mannshände, Weichkorallen wuchsen am Fels. Der Algenbewuchs war sehr unterschiedlich ausgeprägt, mal flach wachsende Verfärbungen, mal große Seetang-Blätter. Die Naturtauchgänge waren abwechslungsreich und sehr schön, obwohl wir es ursprünglich nur auf die Wracks abgesehen hatten. Auf der Fahrt durch die Schären, haben wir die Natur bewundert. Wir sahen sogar zwei Robben, die sich auf einem kleinen vorgelagerten Fels ausruhten.
Qualle
Diese Qualle entdeckten wir kurz vorm Auftauchen.

Wrack Seattle

Wrack Seattle
Auf dem Deck am Heck des Wracks Seattle.

Einmal hat es doch geklappt und wir sind zum Wrack der Seattle gefahren. Der Weg dorthin war in einem Abschnitt ziemlich wellig. An der Wrackposition angekommen wurde es ruhiger und wir konnten ins Wasser. Da wir mit Luft unterwegs waren haben wir nur das Heck des deutschen Frachters bis in 45 m Tiefe erkundet. Das Wrack ist üppig mit Seescheiden und Tote Mannshände bewachsen. Einige Dorsche schwammen ruhig übers Deck. Wir konnten die Gasflaschen der Hilfsruderanlage sehen.
Gasflaschen Wrack Seattle
Die Gasflaschen der Hilfsruderanlage auf dem Wrack der Seattle.

Durch das hohe Gewicht der 50-Liter-Flaschen brach das Deck teilweise darunter ein. Die Schiffsschraube wurde geborgen, das Ruder lag unterhalb der Welle. Typische Ausrüstungen wie Winsch, Poller, Reling waren gut erhalten. Ein klasse Tauchgang, leider war die Zeit am Wrack viel zu schnell vorbei, wie immer.
Wrack Seattle
Das Dach am Heck der Seattle ist weggerostet und erlaubt Blicke aufs Deck darunter.

Wenn man die Dienste einer Tauchbasis nutzt, sind die Tauchgänge in Norwegen kein Schnäppchen. Für einen Bootstauchgang mit Luft haben wir 67 € bezahlt. Trimix-Füllungen schlagen richtig zu Buche. Für ein D12 mit einem 21/35 liegen die Kosten nur für das Helium knapp über 100 €. Das Tauchen von Land kostet nur das Gas in der Flasche.

Leider hatten wir nicht so tolle Sicht, wie es sonst oft in Norwegen üblich ist. An der Oberfläche waren es meist weniger als 5 m Sicht. Tiefer wurde es etwas besser, 8 m bis 10 m. Erst ab 30 m verbesserte sich die Sicht auf mehr als 10 m. An einigen Stellen schwamm eine Schicht Süßwasser auf dem Salzwasser. Das braune Wasser reduzierte die Sicht auf 1 m und erzeugte eine Halokline.
Die Tauchgänge lohnen sich auf alle Fälle und es waren nicht unsere letzten in Norwegen.

Wrack Gudrun
Winden auf dem Deck der Gudrun